Citizen Science
- makromike
- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Was ist Citizen Science und wer macht es? Werde zum Naturforscher: Wie du mit deinem Smartphone der Wissenschaft hilfst
Hast du dich bei einem Spaziergang schon einmal gefragt: „Was blüht denn da?“ oder „Welcher Vogel singt hier eigentlich?“, "Welches Insekt ist das?" Die gute Nachricht ist: Deine Neugier kann der Wissenschaft helfen. Willkommen in der Welt von Citizen Science.
Was ist Citizen Science?
Citizen Science, zu Deutsch Bürgerwissenschaft, bedeutet, dass wissenschaftliche Projekte unter Mithilfe von interessierten Laien durchgeführt werden. Du musst kein Biologe sein, um wertvolle Daten zu liefern. Alles, was du brauchst, ist ein Smartphone oder Kamera, ein Foto und einen Account bei einer der gängigen Plattformen.
Die großen Plattformen: Dein Einstieg
Es gibt fantastische Apps, die dir nicht nur helfen, Arten zu bestimmen, sondern deine Funde auch direkt für die Forschung nutzbar machen:
iNaturalist: Dies ist wohl die bekannteste Plattform weltweit. Du lädst ein Foto hoch, und eine künstliche Intelligenz sowie eine riesige Gemeinschaft von Experten helfen dir bei der Bestimmung.
Ein persönliches Beispiel: Ich nutze diese Plattform intensiv, um meine Heimat zu kartieren. Ich habe dort das Projekt "Fauna im nördlichen Ausseerland" gestartet. So kann ich genau monitoren, welche Arten sich in meiner Region aufhalten und wie sich die Bestände über die Jahre verändern. Schau gerne mal rein!
Observation.org: Eine weitere sehr mächtige Plattform, die besonders in Europa viele Datenpunkte sammelt und hohe wissenschaftliche Standards pflegt.
Pl@ntNet: Diese App ist spezialisiert auf die Pflanzenwelt. Sie funktioniert wie ein "Shazam für Pflanzen". Du fotografierst ein Blatt oder eine Blüte, und die App sagt dir den Namen. Gleichzeitig fließen deine bestätigten Funde in wissenschaftliche Datensätze ein.
Warum das Ganze? Die Rolle von GBIF
Vielleicht fragst du dich: „Was bringt mein Foto von einem Schmetterling der Wissenschaft?“ Die Antwort lautet: Big Data. Die verifizierten Daten von Plattformen wie iNaturalist oder Pl@ntNet fließen in die GBIF (Global Biodiversity Information Facility) ein. Das ist eine internationale Datenbank, die Biodiversitätsdaten aus aller Welt bündelt.
Forscher nutzen diese Daten, um:
Die Ausbreitung invasiver Arten zu verfolgen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Wanderbewegungen zu verstehen.
Das Aussterben oder die Erholung von Artenpopulationen zu analysieren.
Dein Foto ist also ein wichtiges Puzzleteil in einem globalen Bild!
Spezialgebiet: Vögel (Birding)
Besonders für Vogelfreunde gibt es großartige Möglichkeiten, sich zu beteiligen.
Vogelzählungen mit eBird: Wenn du gerne Vögel zählst (egal ob auf einer Wanderung oder im Park), ist eBird von dem Cornell Lab of Ornithology der Goldstandard. Hier loggst du Checklisten, die direkt Populationstrends aufzeigen.
Für den Gartenbeobachter: Du musst kein Profi-Ornithologe sein. Wenn du ab und zu einen Vogel an deinem Futterhäuschen fotografierst, ist das genauso wertvoll. Lade das Foto einfach hoch – jeder Nachweis zählt, um Verbreitungskarten zu aktualisieren.
Mein persönlicher Tipp: BirdNET Hörst du ein Zwitschern, weißt aber nicht, wer da singt? Die App BirdNET analysiert Vogelstimmen in Echtzeit über dein Mikrofon. Sie sagt dir nicht nur, welcher Vogel es ist, sondern speichert die Beobachtung auch für wissenschaftliche Zwecke. Es ist faszinierend, wie einfach man so die Stimmen der Natur lernen kann.
Fazit: Mach mit!
Naturforschung findet nicht mehr nur in verstaubten Laboren statt, sondern draußen – mit dir. Lade dir eine der Apps herunter, geh raus in die Natur (oder in deinen Garten) und fang an zu dokumentieren. Wer weiß, vielleicht entdeckst du schon morgen eine Art in deiner Nachbarschaft, die dort noch nie zuvor gemeldet wurde!
Man könnte das ganze wie Pokemon Go für echte Lebewesen betrachten, Arten sammeln und den Beobachtungszähler in die Höhe treiben, an lokalen Projekten mitwirken und so auch noch der Forschung beitragen. Du kannst dich auf bestimmte Gebiete spezialisieren wie Pilze, Vögel oder Insekten, oder einfach deine persönliche "Life List" anlegen. Ich empfehle für Einsteiger iNaturalist, da es hier eine tolle Community mit guter Vernetzung gibt, ich habe bereits viele sympathische Gleichgesinnte über die Plattform kennengelernt, und man alle möglichen Arten hochladen kann, von Insekten über Fische bis hin zu Pilzen, es gibt für alles irgendwo auf der Welt einen Experten, der dir bei der Bestimmung hilft. Es gibt eine App fürs Smartphone, schnelle Erkennung und Bestimmung über KI, die dann durch die Experten überprüft wird. Man braucht keinerlei Vorkenntnisse, wichtig ist erstmal nur eine grobe Einordnung deinerseits (wie z.B. Insekt, Vogel, oder Pflanze) und die Experten machen den Rest. Jede Beobachtung kann wertvoll sein. Es wurden sogar schon einige neue Arten über diese Beobachtungen entdeckt, Ausbreitungsgebiete von invasiven Arten dokumentiert und Bestandsentwicklungen erfasst. Meine persönlichen Favoriten unter meinen eigenen Beobachtungen waren z.B. seltene Arten, die ich zufällig gefunden habe, oder bestimmte Schmetterlinge, die ich über Wochen in einem Gebiet aktiv gesucht habe. Besonders interessant fand ich den Fund einer invasiven Art von Gottesanbeterinnen, die ich in Wien entdeckt habe. Hier ein Bild davon:

Hierodula transcaucasia, Wien, 2025
Ich fand das so interessant, dass ich selber mithilfe der Daten von iNaturalist eine Animation erstellt habe, wie sich diese Art in Europa über die letzten Jahre ausgebreitet hat:

Alle dieser Daten stammen aus Citizen Science. Es veranschaulicht mmn. sehr gut, wozu die Daten dieser Plattformen gut sein können. Hier der Link zu iNaturalist, falls ich dein Interesse geweckt habe: https://www.inaturalist.org/signup


