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Lichtfang

  • makromike
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Insektenfang mit Lichtfallen


Licht ins Dunkel: Wissenschaftlicher Lichtfang und die verborgene Welt der Nachtfalter


Wenn die Sonne untergeht, packen die meisten Naturfotografen ihre Kameras ein. Doch für Entomologen (Insektenforscher) beginnt jetzt erst die spannendste Zeit. Der wissenschaftliche "Lichtfang" ist die effektivste Methode, um die Biodiversität eines Lebensraums zu inventarisieren. Aber wie funktioniert das genau, und warum ist es wichtiger denn je?


Die Physik der Anziehung: Welche Wellenlängen?


Insekten sehen die Welt anders als wir. Während Menschen auf das sichtbare Spektrum (Rot bis Violett) reagieren, sind die Augen der meisten nachtaktiven Insekten extrem empfindlich für kurzwelliges Licht, insbesondere im ultravioletten Bereich (UV).

  • Der Sweetspot: Die effektivste Wellenlänge liegt bei 360 bis 390 Nanometern (UV-A). Für das menschliche Auge ist dieses Licht kaum sichtbar ("Schwarzlicht"), für Insekten leuchtet es wie ein Leuchtfeuer.

  • Sichtbares Licht: Zusätzlich wird oft ein Anteil an blauem oder grünem Licht beigemischt, um das Spektrum zu verbreitern, da verschiedene Arten unterschiedlich reagieren.


Die Ausrüstung: Das mobile Labor


Früher nutzte man schwere Generatoren und heiße Quecksilberdampflampen. Heute ist die Technik leichter und effizienter:

  1. Der Leuchtturm oder das Leuchttuch: Das Herzstück ist eine weiße Fläche, die das UV-Licht reflektiert. Ein Leuchtturm ist eine zylindrische Röhre aus weißer Gaze (Netzstoff), in deren Mitte die Lampe hängt. Ein Leuchttuch wird vertikal gespannt. Insekten fliegen das Licht an und setzen sich auf den Stoff.

  2. Die Lichtquelle: Moderne High-Power-LED-Systeme (wie die LepiLED) sind heute der Standard. Sie sind leicht, werden mit Powerbanks betrieben und decken genau die benötigten Wellenlängen ab.

  3. Kamera-Setup: Da wir dokumentieren und nicht sammeln wollen, ist eine Kamera mit Makro-Objektiv unerlässlich. Ein externer Blitz mit einem starken Diffusor ist zwingend notwendig, um das harte Licht weich zu machen und die feinen Schuppen der Falter ohne Überstrahlung abzubilden.




Wer kommt ans Licht?


Obwohl wir meistens von "Motten" sprechen, ist das Publikum am Leuchtturm divers:

  • Nachtfalter: Sie stellen den Großteil der Besucher. Von winzigen Mikromotten bis zu riesigen Schwärmern.

  • Käfer: Bockkäfer, Laufkäfer und Blatthornkäfer.

  • Andere Ordnungen: Köcherfliegen, Netzflügler und Zikaden.


Tagfalter vs. Nachtfalter: Die österreichische Statistik


Hier wird deutlich, warum die nächtliche Forschung so wichtig ist. Viele Menschen denken bei Schmetterlingen an bunte Tagfalter, doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Zahlen für Österreich sind beeindruckend:

  • Tagfalter: Es gibt nur ca. 215 Arten.

  • Nachtfalter: Es gibt knapp 4.000 Arten.

Das bedeutet: Über 95% unserer Schmetterlingsvielfalt ist nachtaktiv. Wer nur am Tag forscht, ignoriert fast die gesamte Ordnung der Lepidoptera. Nachtfalter sind essenzielle Bestäuber und eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fledermäuse und Vögel.


Dokumentation statt Sammlung: Der fotografische Ansatz


Früher war es üblich, Falter zu töten und zu nadeln, um sie zu bestimmen. Für viele wissenschaftliche Zwecke (genitale Untersuchung bei sehr ähnlichen Arten) ist das manchmal noch nötig, aber für das Monitoring geht der Trend stark zur fotografischen Belegsammlung.

Der Workflow:

  1. Das Insekt landet auf dem Leuchttuch.

  2. Man macht ein hochauflösendes Foto (dabei sollte die Kamera exakt parallel zum Flügel stehen, um die Schärfentiefe zu maximieren).

  3. Das Foto wird auf Plattformen wie iNaturalist oder Observation.org hochgeladen.

Diese "Citizen Science" Daten sind für die Forschung Gold wert. Sie helfen, Verbreitungskarten zu erstellen und Veränderungen durch den Klimawandel zu dokumentieren. siehe Citizen Science


Neuentdeckungen in Österreich: Ein unvollendetes Buch


Man könnte meinen, in einem gut erforschten Land wie Österreich sei alles bekannt. Weit gefehlt.

In den letzten Jahrzehnten wurden in Österreich immer noch dutzende neue Nachtfalterarten nachgewiesen. Dies geschieht auf zwei Wegen:

  1. Echte Neufunde: Arten, die ihr Areal durch die Klimaerwärmung nach Norden ausweiten (z.B. aus dem Mittelmeerraum).

  2. Kryptische Arten: Durch DNA-Barcoding stellt man fest, dass das, was man 100 Jahre lang für eine Art hielt, eigentlich zwei genetisch getrennte Arten sind, die sich äußerlich kaum unterscheiden.

Die Nachtfalterforschung ist also keine reine Bestandsaufnahme der Vergangenheit, sondern aktive Entdeckungsreise im eigenen Land.


Meine dokumentarischen Aufnahmen bei Nacht

eine Auswahl:


alle dokumentiert 2025 in Österreich, Michael Roschitz



Lichtfang bei Nacht bietet tolle Möglichkeiten für Makrofotografen

Neben den Aufnahmen zu rein dokumentarischen Zwecken, hat man als Makrofotograf in der Nacht viele tolle Gelegenheiten fantastische Makroaufnahmen zu machen. Hier eine Auswahl meiner Aufnahmen bei Nacht:


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Manchmal, kommt es auch vor, dass man am Heimweg von Nachteinsätzen auf weitere, größere Tiere stößt, von Fledermäusen bis Wildschweinen. So traf ich auch einmal auf diesen sehr neugierigen Steinmarder um 3:00 Uhr nachts:



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Ich freue mich schon auf weitere Nachteinsätze, vor allem in den lauen Sommernächten in der Nähe von Wien.





 
 

Michael Roschitz

©2025 von Michael Roschitz

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